Mobility-as-a-Service: Die smarte Alternative zum Privat-PKW

25.02.2021

Die Logik von Mobility as a Service ist bestechend: 14% der monatlichen, persönlichen Ausgaben werden laut Statistischem Bundesamt (2019) im Durchschnitt für Mobilität aufgebracht, ein Großteil hiervon für den privaten PKW und die mit ihm einhergehenden Vorhaltekosten. Durch eine nutzungsbezogene Zahlung für Mobilität könnten die Kosten für die individuelle Mobilität deutlich gesenkt werden. So zumindest die Theorie.

Während es sich bei der Investition in einen PKW um eine der üblicherweise größeren Investitionen handelt, ist das Fahrzeug zugleich eines der am wenigsten genutzten Besitztümer. Im Schnitt wird ein Auto in Deutschland laut der zuletzt 2017 vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur veröffentlichten Studie „Mobilität in Deutschland“ nur 46 Minuten am Tag genutzt – ergo steht es mehr als 23 Stunden auf einem Parkplatz. Die Tatsache, dass auch in der Zeit der stärksten Verkehrsbelastung nur 9% aller Fahrzeuge auf den Straßen fahren – und folglich 91% nicht genutzt werden – zeigt, wie überdimensioniert die Fahrzeugflotte aus statistischer Sicht ist (Quelle: Mobilität in Deutschland (2017)). Städte wie Helsinki und Prag haben erkannt, dass durch ein auf den Bedarf abgestimmtes Angebot verschiedener Mobilitätsdienste die Bevölkerung vom Besitz eines eigenen Autos entlastet werden kann. In Großstädten mit über 100.000 Einwohnern zeigt diese Initiative durchaus Erfolg, aber wie schaut es in den ländlichen Gebieten aus?

In Deutschland und Österreich leben ca. 32% der Bevölkerung in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern, in der Schweiz nur 14%. Somit ist ein weit überwiegender Teil der Bevölkerung in der D-A-CH Region bislang von den Vorteilen der MaaS-Initiativen abgeschnitten. Versuche, über Anrufsammeltaxis und ähnliche Angebote auch in ländlichen Regionen Alternativen zum Privat-PKW zu schaffen, bleiben aufgrund ihrer Inflexibilität und häufig undurchsichtigen Nutzungsmöglichkeiten zumeist ein Nischenprodukt. Viele Studien setzen auf das autonome Auto als Lösung, um perspektivisch fahrerlose Taxis auch im ländlichen Raum zum Einsatz bringen zu können. Müssen wir außerhalb der Städte noch so lange warten?

Faktisch geht es den meisten PKW-Nutzern um die Verlässlichkeit, mit der das eigene Auto jederzeit genutzt werden kann. Wenn sich hier Möglichkeiten finden, bei denen durch eine hohe digitale Vernetzung Mitfahrten zwischen Nachbarn und Gemeindebewohnern*innen sowie verkehrsträgerübergreifend Reiseketten angeboten werden (z.B. mit Bus und Bahn), kann es schon heute Alternativen geben. Und wenn im Ausnahmefall, falls doch mal keine zeitnahe Reiseoption zur Verfügung steht, die Kommune mit einer Taxifahrt einspringt, ist eine tatsächliche Alternative zum Privat-PKW bereits heute vorstellbar. Damit wird das individuelle Portemonnaie geschont und die Lebensqualität in der Gemeinde gesteigert.

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Über den Autor:
Claus Grunow ist Vorstandsmitglied von Mobility Allstars e.V. sowie Strategie- und Digitalchef der Fraport AG. Die Leidenschaft, Geschäftsmodelle zu transformieren und neue, nutzerzentrierte Mobilitätsangebote zu gestalten, ist sein Motor.

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